Strompreise für Neukunden steigen um 28,3 Prozent – regionale Unterschiede bis 61 Prozent
Strom für Neukunden ist in Deutschland binnen drei Monaten deutlich teurer geworden: Der bundesweite Mittelwert des jeweils günstigsten Tarifs stieg von 23,47 Cent je Kilowattstunde im Juni 2026 auf 30,11 Cent am 23. September 2026. Das entspricht einem Plus von 6,64 Cent oder 28,3 Prozent. Die Zahlen stammen aus dem Energy Price Data Lab von StromAuskunft.de, das täglich Haushaltsstrompreise in mehr als 6.300 Städten und Gemeinden auswertet. Wie stark Sie die Entwicklung trifft, hängt vor allem von Ihrem Wohnort und von Ihrem bestehenden Vertrag ab.
Neukundentarife verteuern sich über den Sommer
Die Bewegung verlief über die Sommermonate hinweg stetig nach oben. Nach einem Monatsmittel von 25,10 Cent je Kilowattstunde im Juli und 27,03 Cent im August erreichte der günstigste Neukundentarif am 23. September 2026 einen Wert von 30,11 Cent. Gegenüber dem Augustmittel sind das 11,4 Prozent mehr. Die Konditionen für Neuabschlüsse haben sich damit innerhalb von nur drei Monaten spürbar verändert.
Bei der Einordnung ist ein methodischer Unterschied wichtig, der in der Zahl selbst nicht sichtbar ist: Bei den Werten für Juni, Juli und August handelt es sich um Monatsmittel, beim Septemberwert um eine Tagesaufnahme vom 23. des Monats. Ein Tageswert kann durch kurzfristige Angebotsänderungen einzelner Versorger stärker ausschlagen als ein über den gesamten Monat gemittelter Wert. Der Vergleich zeigt deshalb eine klare Richtung, ohne dass sich jeder Zwischenwert eins zu eins mit dem anderen gleichsetzen lässt. Wer die Entwicklung weiter beobachten möchte, kann den Strompreis-Radar nutzen, der die laufende Bewegung abbildet.
Grundversorgung und Wechselvorteil: rund 359 Euro im Jahr
Deutlich über dem Niveau der günstigsten Neukundentarife liegt die örtliche Grundversorgung. Sie kostet derzeit im bundesweiten Mittel 40,37 Cent je Kilowattstunde. Für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergibt sich daraus ein rechnerischer Preisvorteil von durchschnittlich rund 359 Euro pro Jahr, wenn ein Wechsel zum günstigsten Tarif vor Ort erfolgt. Dieser Betrag macht deutlich, wie stark die Wahl des Tarifs das Jahresbudget belastet – er ist aber ein Durchschnittswert und keine Zusage für den Einzelfall.
Ebenso wichtig ist die Gegenprobe. Wer bereits einen günstigen Vertrag mit Preisgarantie abgeschlossen hat, sollte einen Neuabschluss individuell prüfen lassen: Der aktuelle Marktpreis kann über dem bestehenden Tarif liegen. Ein Wechsel lohnt sich also nicht automatisch, sondern nur dann, wenn der neue Effektivpreis unter dem liegt, was Sie heute zahlen – und wenn Laufzeit sowie Preisgarantie zu Ihrem Verbrauchsverhalten passen. Ein niedriger Arbeitspreis auf dem Papier nützt wenig, wenn die Preisgarantie kurz ausfällt und die Konditionen danach neu verhandelt werden.
Regionale Unterschiede: von 25,54 bis 41,12 Cent
Noch ausgeprägter als der Abstand zwischen Grundversorgung und Neukundentarif ist der Unterschied zwischen einzelnen Orten. In Ringelai in Bayern liegt der günstigste Neukundentarif bei 25,54 Cent je Kilowattstunde. In Büsingen am Hochrhein in Baden-Württemberg sind es 41,12 Cent. Das sind rund 61 Prozent mehr am teureren Ort. Wer an einem teuren Standort wohnt, zahlt für dieselbe Strommenge also deutlich mehr als an einem günstigen – ohne dass sich sein Verbrauch unterscheidet.
Für Sie bedeutet das: Bundesweite Mittelwerte taugen als Stimmungsbild für den Markt, nicht als Maßstab für Ihre eigene Rechnung. Entscheidend sind die Angebote, die an Ihrer Adresse tatsächlich verfügbar sind. „Strompreise werden in der öffentlichen Debatte fast immer als bundesweiter Durchschnitt diskutiert. Für die Verbraucher ist aber entscheidend, wie teuer Strom konkret vor Ort ist – und welche Alternativen es am eigenen Wohnort tatsächlich gibt“, sagt Dr. Jörg Heidjann, Diplom-Physiker und Geschäftsführender Gesellschafter der EnergieAuskunft GmbH.
Wie das Energy Price Data Lab rechnet
Grundlage der Auswertung ist ein einheitlicher Modellhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch. In den Effektivpreis fließen Arbeitspreis, Grundpreis und Boni ein. Berücksichtigt werden Tarife mit höchstens zwölf Monaten Laufzeit, mindestens zwölf Monaten Preisgarantie und maximal sechs Wochen Kündigungsfrist; Kaution und Vorauskasse sind ausgeschlossen. Diese Festlegungen sorgen dafür, dass bundesweit dieselben Kriterien angelegt werden und die Werte zwischen Orten vergleichbar bleiben.
Die Methodik ist in zwei wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit DOI dokumentiert. Ausgewählte historische und regionale Datensätze können Redaktionen und Forschungseinrichtungen projektbezogen anfragen. Das ist auch für die Einordnung von Preismeldungen nützlich, weil sich ein einzelner Tageswert damit in den längerfristigen Verlauf einbetten lässt, statt isoliert betrachtet zu werden. Die Festlegungen erklären zugleich, warum die ausgewiesenen Werte von dem abweichen können, was in einem konkreten Angebot steht: Wer einen Tarif mit langer Laufzeit, kürzerer Preisgarantie oder Vorauskasse wählt, findet dort andere Konditionen als im untersuchten Standardfall.
Sechs Perspektiven auf den Strommarkt
Das Lab verbindet den tagesaktuellen Preisüberblick mit sechs weiteren Analysebereichen: Strompreisentwicklung, interaktivem Strompreis-Atlas, Strompreis-Radar sowie statistischer Auswertung regionaler Preisunterschiede durch Vergleiche auf der Ebene von Städten, Kreisen, Landkreisen und Bundesländern. So lassen sich sowohl einzelne Städte als auch langfristige Marktbewegungen untersuchen. „Auf einen Blick ist erkennbar, wo Strom in Deutschland eher günstig oder teuer ist. Das bringt eine neue Transparenz in den Strommarkt“, sagt Dr. Jörg Heidjann, Betreiber des Energy Price Data Labs.
Für Haushalte ist vor allem der regionale Zugang interessant, weil er die Frage beantwortet, welche Alternativen am eigenen Wohnort überhaupt bestehen. Für Redaktionen und Forschung liegt der Wert in der Vergleichbarkeit über Zeit und Raum: Veränderungen lassen sich auf Stadt-, Kreis- und Landesebene nachvollziehen, statt nur als eine Zahl für die gesamte Bundesrepublik.
Was das für Ihre Entscheidung bedeutet
Aus den Zahlen lassen sich einige praktische Schritte ableiten. Prüfen Sie zuerst, welchen Arbeitspreis und welchen Grundpreis Sie aktuell zahlen und bis wann Ihre Preisgarantie reicht. Vergleichen Sie anschließend die Angebote, die an Ihrer Adresse verfügbar sind – nicht den Bundesdurchschnitt. Achten Sie dabei auf Laufzeit, Kündigungsfrist und die Dauer der Preisgarantie, und rechnen Sie Boni nur dann mit, wenn die Bedingungen für Sie erfüllbar sind.
Der Modellhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden ist ein guter Ausgangspunkt für die Einordnung. Liegt Ihr Verbrauch deutlich darüber oder darunter, verschiebt sich das Verhältnis zwischen Grundpreis und Arbeitspreis: Ein hoher Grundpreis fällt bei geringem Verbrauch stärker ins Gewicht, während ein hoher Arbeitspreis bei großem Verbrauch den Ausschlag gibt. Wer an einem teuren Standort wohnt, kann den Nachteil über einen bewussteren Verbrauch oder über eine längere Preisgarantie teilweise abfedern. Und wer in einer günstigen Region lebt, sollte dennoch die eigene Rechnung prüfen, statt sich auf den guten Ruf des Standorts zu verlassen.
Bedenken Sie auch den organisatorischen Aufwand: Ein Wechsel ist an Fristen gebunden, und der neue Anbieter muss die Belieferung rechtzeitig aufnehmen. Vergleichen Sie daher nicht nur den Preis, sondern auch, wie verlässlich die Konditionen über die Vertragslaufzeit Bestand haben. Der tagesaktuelle Wert vom 23. September 2026 ist eine Momentaufnahme; für Ihre Entscheidung zählt, welcher Tarif Ihnen über die gesamte Laufzeit den niedrigsten Effektivpreis sichert.
Wer hinter den Zahlen steht
StromAuskunft.de ist seit 1999 online und wird von der EnergieAuskunft GmbH in Münster betrieben. Das Vergleichsportal ist TÜV-geprüft. Der kostenlose Premium-Wechselservice für Strom und Gas wurde von Stiftung Warentest (Finanztest 09/2025) als Spitzenreiter unter den kostenlosen Wechselservices hervorgehoben. Ansprechpartner für Rückfragen ist Dr. Jörg Heidjann, erreichbar unter presse@stromauskunft.de. Weitere Informationen zum Energy Price Data Lab, zum Strompreis-Atlas und zum Strompreis-Radar finden Sie auf der Website des Anbieters.
Bildquellen im Artikel
- Strompreise transparent und regional vergleichbar: Bildquelle: Stromauskunft.de/Fotograf: Stromauskunft.de