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ADAC testet Sprachsteuerung in 40 Fahrzeugen mit großen Unterschieden

Sprachbefehle sollen in modernen Autos verschachtelte Bildschirmmenüs ersetzen, die sich während der Fahrt kaum bedienen lassen. Im Rahmen seines Autotests hat der ADAC deshalb 40 Fahrzeugmodelle geprüft und Befehle aus drei Kategorien abgefragt. Die Auswertung zeigt große Unterschiede zwischen den Herstellern: 16 Fahrzeuge erhalten die Gesamtnote gut, einzelne Modelle beherrschen dagegen nur wenige Befehle. Sicherheitsrelevante Funktionen bleiben fast überall außen vor.

Wie der ADAC Sprachbefehle im Auto prüft

Haptische Schalter und Knöpfe sind in vielen Fahrzeugen verschachtelten Bildschirmmenüs gewichen. Diese Entwicklung kritisiert der ADAC seit geraumer Zeit, weil eine komplizierte Bedienung den Fahrer vom Straßenverkehr ablenkt und damit die Unfallgefahr erhöht. In der aktuellen Auswertung des ADAC Autotest ging der Mobilitätsclub der Frage nach, ob die Sprachsteuerung moderner Fahrzeuge hier Abhilfe leisten kann.

Für die Untersuchung mussten 40 Fahrzeugmodelle Befehle aus drei Kategorien ausführen. Die Prüfer erfassten, ob und in welchem Umfang sich das Infotainmentsystem per Sprache steuern lässt. Ebenso wurde getestet, ob sich die Klimatisierung ändern lässt und ob sicherheitsrelevante Funktionen ein- und ausgeschaltet werden können. Der Befehlskatalog umfasste 18 Einzelaufgaben, darunter die Navigation, das Radio, die Innenraumtemperatur sowie Sicht- und Assistenzsysteme wie Warnblinker und Geschwindigkeitswarner.

Die Aufteilung in drei Kategorien folgt unterschiedlichen Anforderungen. Infotainment umfasst viele Funktionen, die sich in Menüs tief verstecken und während der Fahrt nur schwer zu erreichen sind. Klimafunktionen werden häufiger verstellt, sicherheitsrelevante Systeme müssen ohne Umweg sofort verfügbar sein. An dieser letzten Gruppe entscheidet sich, ob Sprache einen Schalter vollständig ersetzen kann.

16 von 40 Fahrzeugen erhalten die Gesamtnote gut

Das Gesamtergebnis fällt gespalten aus. 16 der untersuchten Fahrzeuge erhalten die Note gut, die übrigen bewertet der ADAC schlechter. Den besten Einzelwert erreichte der BMW 5er, der 16 der 18 untersuchten Befehle ausführen konnte. Am unteren Ende steht der neue Suzuki e-Vitara, dem nur drei von 18 Befehlen gelangen und der dafür die Note mangelhaft erhält.

Wie weit die Ergebnisse auseinanderliegen, verdeutlicht der Abstand zwischen diesen beiden Modellen. Während beim BMW 5er nur zwei abgefragte Funktionen offenblieben, scheiterte der Suzuki e-Vitara an 15 von 18 Aufgaben. Die Note gut erreichten 16 Fahrzeuge, was zugleich bedeutet, dass ein größerer Teil der getesteten Modelle diese Bewertung nicht erreichte.

Infotainment klappt per Zuruf, Warnblinker nicht

In der Einzelauswertung nach Kategorien zeigt sich ein klares Muster. Im Infotainment kommen 35 der Fahrzeuge auf eine gute oder sehr gute Bewertung. Navigation oder Radio per Sprachbefehl zu steuern, gelingt damit der großen Mehrheit der getesteten Modelle. Bei der Klimatisierung erreichen noch 26 Modelle mindestens die beiden besten Noten, hier ändert sich das Bild bereits deutlich.

Schlechter fällt die Bilanz bei Sicht- und Assistenzsystemen aus. Funktionen wie der Warnblinker oder der Geschwindigkeitswarner lassen sich in der Regel nicht mit Sprachsteuerung bedienen. 32 der untersuchten Autos erhalten in dieser Kategorie die Note mangelhaft. Damit bleiben gerade die Funktionen, die während der Fahrt schnell erreichbar sein müssen, weiterhin an Schalter und Tasten gebunden. Dass Sicherheitsfunktionen in der Regel nicht per Zuruf schaltbar sind, lässt allerdings Ausnahmen zu, die der ADAC in seiner Mitteilung nicht einzelnen Modellen zuordnet.

Wenn die Sprachtaste nur das Smartphone erreicht

Ein Einzeldetail aus dem Test zeigt, wie unterschiedlich die technische Umsetzung ausfallen kann. Beim Dacia steuert der Sprachsteuerungsknopf am Lenkrad lediglich ein angeschlossenes Smartphone und nicht das Fahrzeug. Bei den Modellen von Renault, die fast das gleiche Lenkrad verwenden, lässt sich mit der Sprachsteuerungstaste auch das Fahrzeug ansteuern.

Für den Fahrer ist dieser Unterschied unmittelbar spürbar. Ist die Sprachfunktion an das Telefon gekoppelt, reicht ihre Reichweite nur so weit, wie es das verbundene Gerät zulässt. Nur wenn die Sprachtaste das Fahrzeug selbst adressiert, lassen sich auch Klima- und Komfortfunktionen regeln. Die nahezu identische Hardware am Lenkrad sagt damit nichts über den tatsächlichen Funktionsumfang aus.

Der ADAC sieht Sprachassistenz als Ergänzung

Aus Sicht des ADAC stellen Sprachassistenzsysteme eine Unterstützung im Fahralltag dar. Als zuverlässiger Ersatz für fehlende haptische Bedienelemente taugen sie nach Einschätzung des Clubs aber nicht, auch wenn manche Hersteller genau das in Aussicht stellen. Besonders gilt diese Einschränkung für sicherheitsrelevante Funktionen, die sofort aktivierbar sein müssen.

Den größten Mehrwert sieht der Mobilitätsclub im Infotainment. Gerade bei langwierigen Befehlen wie der Adresseingabe im Navigationsgerät kann die Sprachsteuerung nach Einschätzung der ADAC-Experten nicht nur eine sinnvolle Unterstützung sein, sondern oft sogar die beste Bedienmethode darstellen. Wer während der Fahrt ein Ziel eingeben will, spart damit mehrere Schritte im Menü.

Was die Ergebnisse für Kaufinteressenten bedeuten

Die Auswertung liefert eine Orientierung, die sich aus Ausstattungslisten kaum ableiten lässt. Modelle mit ähnlichem Funktionsumfang können bei der Sprachbedienung weit auseinanderliegen, wie der Vergleich zwischen BMW und Suzuki zeigt. Wer viel Wert auf Sprachsteuerung legt, sollte im Autohaus konkrete Befehle ausprobieren, etwa die Zieleingabe im Navigationsgerät, den Senderwechsel im Radio oder die Änderung der Innenraumtemperatur.

Der ADAC hat die vollständigen Ergebnisse seiner Untersuchung auf adac.de veröffentlicht.

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