Stefanie Söhnchen, Vizepräsidentin Strategie & Digital bei PIABO Communications

Agentic AI als Vorfilter: Wie Marken in KI-gestützten Entscheidungsprozessen sichtbar bleiben

Suchmaschinen lieferten früher eine Liste von Links, aus der Menschen selbst auswählten. Mit generativen Antworten und agentischen Assistenten verschiebt sich diese Aufgabe: Systeme fassen Angebote zusammen, gewichten Kriterien und bereiten Entscheidungen vor. Für Unternehmen verändert das die Spielregeln der Sichtbarkeit – und rückt eine Frage in den Vordergrund, die lange als weiches Thema galt: ob eine Marke klar genug konturiert ist, um in einem automatisierten Auswahlprozess überhaupt als eigenständige Option erkannt zu werden.

Vom Linkverzeichnis zur vorbereiteten Entscheidung

Wer heute nach einem Produkt oder einer Dienstleistung sucht, bekommt immer seltener eine reine Trefferliste zu sehen. Generative Suchoberflächen formulieren stattdessen eine Antwort, in der mehrere Quellen zu einer Empfehlung verdichtet werden. Technisch steckt dahinter in der Regel ein Zusammenspiel aus einem Sprachmodell und einer Abrufschicht: Das Modell erzeugt Text auf Basis von Wahrscheinlichkeiten, während die faktische Grundlage aus Quellen stammt, die zuvor eingesammelt, gewichtet und in die Antwort eingebettet werden. Was in diesen Quellen nicht als klar umrissene Einheit erkennbar ist, hat es schwerer, in einer zusammengefassten Empfehlung überhaupt genannt zu werden.Parallel dazu gewinnen Systeme an Bedeutung, die Aufgaben zunehmend eigenständig bearbeiten. Solche agentischen Anwendungen können Angebote vergleichen, Kriterien gegeneinander abwägen und Vorschläge vorbereiten. Die Entscheidung bleibt beim Menschen, doch sie fällt dann über eine Vorauswahl, die nicht von ihm selbst zusammengestellt wurde. Genau an dieser Stelle verschiebt sich der Wettbewerb: weg von der Platzierung einzelner Seiten, hin zur Frage, ob ein Unternehmen in der Verdichtung überhaupt als eigene Position auftaucht.

Preis und Verfügbarkeit als Standardkriterien

Bewerten Systeme verfügbare Angebote vor allem nach Preis oder Lieferbarkeit, verlieren austauschbare Produkte ihre Unterscheidbarkeit fast vollständig. Alles, was sich in Zahlen und Datenpunkten abbilden lässt, wird vergleichbar – und damit beliebig. Die emotionale Bindung an eine Marke wird in diesem Umfeld zum eigentlichen Differenzierungsfaktor.

„Markenloyalität entsteht nicht allein durch Sichtbarkeit. Sie entsteht, wenn Menschen ein klares Versprechen verstehen und es an jedem relevanten Kontaktpunkt wiedererkennen“, sagt Stefanie Söhnchen, Vice President Strategy & Digital bei PIABO Communications. „Je stärker KI-Systeme Auswahlprozesse automatisieren, desto wichtiger wird die Verankerung einer Marke im Bewusstsein der Kunden.“

Markenloyalität wirkt wie ein Vorfilter

Marken, die klar für etwas stehen, machen ihr Angebot verständlich und geben Orientierung. Sie erzeugen Vertrauen und emotionale Relevanz und vermitteln die Erwartung von Qualität. Verbinden Kunden diese Eigenschaften mit einem Namen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich bewusst für dieses Unternehmen entscheiden – auch dann, wenn ein anderes Angebot kurzfristig günstiger ist oder schneller verfügbar wäre. Die Marke übernimmt damit eine Funktion, die zuvor der Vergleich selbst erfüllt hat: Sie sortiert das Feld vor.

Für Unternehmen führt das zu einer Frage, die vor jeder Kampagne beantwortet werden muss: Wofür soll die Marke in den Köpfen der Zielgruppen stehen? Wer diese Frage offen lässt, überlässt die Sortierung den Kriterien, die Maschinen am einfachsten auswerten können – und das sind selten die eigenen Stärken.

Inkonsistente Kontaktpunkte schwächen die Wirkung

In der Praxis klafft häufig eine Lücke zwischen dem internen Markenverständnis und der Wahrnehmung von außen. Die Führungsebene hat oft ein recht genaues Gefühl dafür, wofür das Unternehmen stehen soll. Dieses Verständnis wird jedoch selten klar formuliert und als verbindliche Positionierung festgehalten. Die Folge ist eine Kommunikation, die an verschiedenen Stellen unterschiedlich klingt: Digitale Kanäle vermitteln ein anderes Bild als das persönliche Gespräch, Vertriebsunterlagen oder Stellenanzeigen greifen das Versprechen nicht konsistent auf.

Ein uneinheitliches Markenbild erschwert es Kunden, zu erkennen, was ein Unternehmen besonders macht und warum sie sich für dieses entscheiden sollten. Ausgerechnet in einem Umfeld, in dem Systeme aus vielen Einzelinformationen ein Gesamtbild zusammensetzen, wirken solche Brüche doppelt nachteilig.

Die Zielgruppe gehört an den Anfang der Positionierung

Eine zeitgemäße Positionierung beginnt bei den Erwartungen der Kunden. Sie zeigt, welches Problem ein Unternehmen löst und welchen Unterschied das Angebot im Alltag macht. Viele Betriebe formulieren ihre Botschaften jedoch weiterhin aus der eigenen Perspektive: Sie erklären ihre Leistungen und beschreiben interne Kompetenzen. Dadurch geht die Kommunikation an den tatsächlichen Bedürfnissen der Zielgruppe vorbei.

Eine klare Positionierung hilft, das Angebot aus Sicht der Menschen zu beschreiben, die erreicht und überzeugt werden sollen. Sie schafft damit auch eine belastbare Grundlage für den Product-Market-Fit – also für die Frage, ob Angebot und Nachfrage wirklich zusammenpassen.

Veraltete Grundlagen bremsen die Zukunftsfähigkeit

Auch bestehende Kommunikationsmaterialien gehören regelmäßig auf den Prüfstand. Master- und Pitch-Decks zählen ebenso dazu wie Websites oder Vertriebsunterlagen. In vielen Unternehmen werden sie über Jahre weiterverwendet, obwohl sich Markt und Zielgruppen längst verändert haben. Was früher funktionierte, wirkt heute möglicherweise zu komplex oder nicht mehr relevant. Hinzu kommt, dass klare Vorgaben für die Zusammenarbeit zentraler und dezentraler Kommunikationsteams häufig fehlen.

Eine zukunftsfähige Marke braucht deshalb aktuelle Grundlagen für die tägliche Arbeit: klare Kernbotschaften und einen konsistenten sprachlichen Rahmen. Nur so können alle Teams die Marke verständlich und einheitlich nach außen tragen – unabhängig davon, ob sie in der Zentrale, im Vertrieb oder in einer Regionalgesellschaft sitzen.

Was das für die Sichtbarkeit in generativen Antworten bedeutet

Aus der technischen Funktionsweise ergeben sich konkrete Anforderungen. Wenn Antworten aus mehreren Quellen zusammengesetzt werden, kommt es darauf an, dass Produkte, Leistungen und Markenversprechen überall gleich beschrieben sind. Abweichende Bezeichnungen, widersprüchliche Angaben oder veraltete Beschreibungen erschweren die Zuordnung – das System erkennt dann nicht zuverlässig, dass es sich um dasselbe Angebot handelt.

Dazu kommt die Frage der Zitierfähigkeit: Quellen, die eindeutige Aussagen, nachvollziehbare Struktur und klare Verantwortlichkeiten aufweisen, lassen sich leichter in eine Antwort einbinden. Kommunikationsdisziplinen wie Generative Engine Optimization setzen genau hier an und verbinden klassische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit Maßnahmen, die die Auffindbarkeit in generativen Systemen verbessern. Markenstrategie, Content Marketing, Social Media, Personal Branding und Influencer Marketing greifen dabei ineinander.

Der richtige Zeitpunkt ist vor der breiten Wirkung

Für Unternehmen ist jetzt der Moment, die eigene Positionierung zu überprüfen und weiterzuentwickeln – bevor KI-gestützte Systeme einen noch größeren Teil der Kaufentscheidung beeinflussen. Marken müssen verständlich und wiedererkennbar sein, ihre Kommunikation sollte über alle Kontaktpunkte hinweg zusammenpassen. Das gilt für zentrale Teams ebenso wie für dezentrale Organisationen. Erst dann wird aus einem Markenversprechen ein Erlebnis, das Vertrauen aufbaut und langfristig bindet.

Vergleichen Bots bei Kaufentscheidungen künftig vor allem Preis und Verfügbarkeit, gewinnt die emotionale Präferenz an Gewicht. Wünschenswert ist ein Zustand, in dem Kunden sagen können: „Ich möchte von dieser Marke kaufen.“

Hintergrund der Einschätzung

Die Beobachtungen stammen von PIABO Communications, einer Kommunikationsagentur und Wachstumsplattform für Technologieunternehmen mit Sitz in Berlin. Seit 2006 begleitet das Unternehmen Technologieanbieter, Investoren und globale Marken; Standorte bestehen in Hamburg, München, Paris und Singapur. Zu den Kunden zählen nach Angaben der Agentur Unternehmen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, Fintech, Health Tech, Climate Tech, Deep Tech und SaaS, darunter GitHub, Google, Sequoia Capital, Shopify, Stripe und Withings. Geführt wird PIABO Communications von Gründer und CEO Tilo Bonow sowie Managing Director und COO Daniela Harzer. Pressekontakt für Rückfragen: Stefanie Söhnchen, erreichbar per E-Mail unter stefanie.soehnchen@piabo.net und mobil unter +49 160 98352039.

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