Bildschirm mit einer KI-Antwort und einer Spalte verlinkter Quellenkarten neben einem Notizblock. Ein Monitor zeigt eine Chat-Oberfläche mit einer mehrzeiligen Antwort und rechts daneben eine Spalte kleiner Quellenkarten mit unleserlichen Platzhalterzeilen, davor liegen ein Notizblock mit Strichliste und ein Stift auf dem Schreibtisch. Symbolbild zur KI-Sichtbarkeit von Marken in Antwortsystemen. Bild KI-generiert

Semrush erweitert AI Visibility Index auf 126 Millionen Prompts

Der Softwareanbieter Semrush hat am 26. Juni 2026 die erweiterte Ausgabe seines AI Visibility Index veröffentlicht. Für die Studie wurden 126 Millionen Eingaben aus den Vereinigten Staaten ausgewertet, die zwischen Januar und April 2026 an ChatGPT, Gemini, Google AI Mode und Google AI Overviews gerichtet wurden. Die erste Ausgabe vom September 2025 stützte sich noch auf 2.500 Prompts. Der Index misst, wie sichtbar Marken in den Antworten dieser Systeme sind und welche Quellen die Systeme dafür heranziehen.

Ein Vielfaches an Daten gegenüber der ersten Ausgabe

Die zweite Ausgabe des Index umfasst 126 Millionen Prompts aus den Vereinigten Staaten, die im Zeitraum von Januar bis April 2026 an ChatGPT, Gemini, Google AI Mode und Google AI Overviews gestellt wurden. Die erste Ausgabe vom September 2025 kam auf 2.500 Prompts. Mit der größeren Datenbasis lassen sich Aussagen über die Sichtbarkeit von Marken in KI-Antworten auf eine breitere Grundlage stellen als zuvor, und die Ergebnisse reichen bis auf die Ebene einzelner Branchen. Der Index ordnet die Ergebnisse nach 22 Kategorien und weist für jede Kategorie aus, welchen Anteil der gemessenen Sichtbarkeit die drei stärksten Marken auf sich vereinen.

Dieser Anteil ist ein Maß für die Konzentration innerhalb einer Kategorie. Je höher der Wert, desto stärker verteilt sich die Sichtbarkeit auf wenige Anbieter. Für Marken, die nicht zu den drei Erstgenannten gehören, sagt der Wert damit etwas darüber aus, wie groß der verbleibende Platz in einer Kategorie ist. Semrush nennt in der Mitteilung vom 26. Juni 2026 vier Branchenwerte ausdrücklich.

ChatGPT nennt im Schnitt 15 Quellen, Gemini drei

Die vier untersuchten Systeme belegen ihre Antworten sehr unterschiedlich. Nach Angaben von Semrush zitiert ChatGPT durchschnittlich 15 Quellen je Antwort und greift dabei häufig auf Community- und Nachschlageplattformen wie Reddit und Wikipedia zurück. Gemini nennt im Mittel drei Quellen je Antwort und schöpft aus einem kleineren Vorrat, zu dem ebenfalls Wikipedia, Reddit und YouTube gehören. Der Unterschied erklärt, warum eine Marke in einem System gut vertreten sein kann und im anderen kaum auftaucht. Semrush zieht daraus den Schluss, dass Sichtbarkeit in Antwortsystemen Plattform für Plattform gemessen werden muss, weil ein Mittelwert über alle Systeme die unterschiedlichen Auswahlmechanismen verdeckt.

Aus der Zahl der genannten Quellen ergibt sich, wie viele Belegstellen in einer Antwort überhaupt vorkommen können. Nennt ein System 15 Quellen, stehen mehr Plätze für einzelne Seiten zur Verfügung. Nennt es drei, ist der Wettbewerb um diese Plätze entsprechend enger. Für Marken heißt das, dass sich eine Strategie für KI-Antworten nicht an einem Durchschnitt über alle Systeme orientieren kann, sondern die Eigenheiten jedes Systems berücksichtigen muss.

„Fünfzehn Quellen je Antwort bei ChatGPT und drei bei Gemini sind zwei verschiedene Spiele. Wer auf der einen Plattform mitspielt, hat auf der anderen noch keinen Platz. Gemessen werden muss deshalb je System, sonst entsteht ein Durchschnitt, den es nirgends gibt“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Wie stark sich die Sichtbarkeit in Branchen konzentriert

Die Konzentration auf wenige Anbieter fällt je nach Branche sehr unterschiedlich aus. Der Index weist für jede der 22 Kategorien aus, welchen Anteil der gemessenen Sichtbarkeit die drei stärksten Marken auf sich vereinen. Vier Branchenwerte nennt Semrush in der Mitteilung vom 26. Juni 2026 ausdrücklich, jeweils als Anteil der drei sichtbarsten Marken an der Kategorie: Nachrichten und Medien 82,9 Prozent, Unterhaltungselektronik 76,9 Prozent, Industrie 42,2 Prozent und Finanzen 41,4 Prozent. In den weniger konzentrierten Kategorien sieht die Studie größere Chancen für Marken, die noch nicht zu den Erstgenannten gehören. In Kategorien wie Nachrichten oder Unterhaltungselektronik ist der Platz hinter den drei Erstgenannten dagegen klein.

Für die Bewertung der eigenen Ausgangslage bedeutet das, den Branchenwert zu berücksichtigen. Eine Marke in einer stark konzentrierten Kategorie trifft auf eine kleine Zahl von Anbietern, die einen großen Teil der Sichtbarkeit auf sich ziehen. In einer weniger konzentrierten Kategorie verteilt sich die Sichtbarkeit auf mehr Anbieter, sodass ein Einstieg in die sichtbaren Positionen eher möglich erscheint. Die Studie beschreibt diese Zusammenhänge für den US-Markt.

Eine Nennung ist nicht dasselbe wie eine Zitierung

Der Index trennt zwei Formen von Präsenz. Eine Nennung bedeutet, dass eine Marke in einer KI-Antwort vorkommt. Eine Zitierung bedeutet, dass das System eine Domain oder Seite als Beleg anführt. Beides fällt oft auseinander: Laut Semrush kann auf Gemini die Überschneidung zwischen genannten Marken und zitierten Domains bis auf 30 Prozent sinken. Eine Marke muss demnach an zwei Fronten arbeiten. Genannt wird sie, wenn sie im Thema als Anbieter bekannt genug ist. Zitiert wird sie nur, wenn die eigenen Seiten so aufgebaut sind, dass ein Antwortsystem sie als Beleg heranzieht.

Für die Praxis heißt das, die eigene Website und die Präsenz auf anderen Seiten getrennt zu betrachten. Eine hohe Bekanntheit im Thema sorgt nicht automatisch dafür, dass die eigene Domain als Quelle erscheint. Umgekehrt reicht es nicht, Inhalte technisch für Zitierungen vorzubereiten, wenn die Marke im jeweiligen Thema nicht als Anbieter wahrgenommen wird. Die beiden Ziele verlangen unterschiedliche Maßnahmen und lassen sich nicht mit einer einzigen Kennzahl erfassen.

Nur 36 Marken bleiben auf allen vier Plattformen durchgehend sichtbar

Nur wenige Marken hielten sich in jedem Monat des Untersuchungszeitraums auf allen vier Systemen unter den 100 sichtbarsten. Nach Angaben von Semrush waren es 36 Marken weltweit, darunter YouTube, Google, Reddit, Amazon, Facebook, Apple, Walmart, Disney und Nintendo. Diese Marken teilen breite Bekanntheit und eine klare Rolle bei Recherche, Vergleich oder Kauf. Die Erzählung über eine Marke entsteht dabei nicht mehr allein auf der eigenen Website. Laut dem Index stützen sich die Systeme auf Kundenbewertungen, Diskussionsforen, unabhängige Publikationen, Händler und Branchenquellen. Als Beispiel nennt die Studie den Bekleidungshersteller Patagonia, der über den gesamten Zeitraum einen Sichtbarkeitswert von rund 79 bis 80 hielt, gestützt auf gleichlautende Beschreibungen bei Testportalen, Händlern und in Foren.

Die Zahl von 36 Marken zeigt, wie schwierig es ist, über mehrere Systeme hinweg dauerhaft unter den sichtbarsten Anbietern zu bleiben. Wer in allen vier Systemen präsent sein will, muss die unterschiedlichen Quellen berücksichtigen, aus denen die Systeme ihre Informationen ziehen. Dazu gehören neben der eigenen Website auch Bewertungsportale, Foren, Fachpublikationen und Händlerseiten. Für Marken ohne diese breite Bekanntheit ist eine durchgehende Sichtbarkeit auf allen Plattformen nach den Daten des Index der Ausnahmefall.

Viele Marketingabteilungen können ihre KI-Präsenz nicht messen

Die begleitende Befragung zeigt eine Lücke zwischen Bedeutung und Werkzeug. Nach Angaben von Semrush können 45 Prozent der Marketingleiter ihre Präsenz in KI-generierten Antworten nicht verlässlich messen; nur 9 Prozent verfügen über Werkzeuge, die alle relevanten Kennzahlen über die Plattformen hinweg erfassen. Wer Suchmaschinenoptimierung und KI-Präsenz in einem gemeinsamen Ablauf steuert, berichtet häufiger von Erfolgen. Laut der Befragung meldeten 81 Prozent der Organisationen mit einem verbundenen Vorgehen mehr Besucher oder Anfragen aus KI-Plattformen; bei getrennter Bearbeitung waren es 36 Prozent.

Die Befragungsergebnisse beschreiben einen Zusammenhang, den Semrush in der Mitteilung darstellt. Ob das verbundene Vorgehen die genannten Erfolge verursacht oder ob erfolgreiche Organisationen eher zu einem solchen Vorgehen neigen, lässt sich aus den Angaben nicht ableiten. Für Marketingabteilungen bleibt die Messung der eigenen Sichtbarkeit in KI-Antworten nach den Daten des Anbieters die Ausnahme.

Die Werte beschreiben den US-Markt

Die Zahlen beziehen sich auf die Vereinigten Staaten und nicht auf den deutschsprachigen Raum. Für Unternehmen in Deutschland liefert der Index damit Größenordnungen und Mechanismen, aber keine Werte für die eigene Branche im Inland. Ob Semrush den Index ein drittes Mal erweitert, ist offen; die erste Ausgabe erschien im September 2025, die zweite im Juni 2026.

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