Falsche Tarifwahl beim öffentlichen Laden kostet bis zu 809 Euro pro Jahr
Wer sein E-Auto öffentlich lädt, kann mit der falschen Tarifwahl mehrere Hundert Euro im Jahr verlieren. Der achte Ladenetztest von connect und den E-Mobilitäts-Experten von umlaut, Teil von Accenture, vergleicht Ladetarife und Schnellladestationen von 17 Anbietern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Ergebnisse zeigen deutliche Preisunterschiede. Bei den Laternenparkern liegen zwischen dem günstigsten und dem teuersten Tarif 809 Euro pro Jahr.
Aral Pulse verteidigt Platz eins in Deutschland
In Deutschland liegt Aral Pulse zum vierten Mal in Folge vorn. In Österreich setzt sich SMATRICS EnBW durch, in der Schweiz gewinnt Ionity. In den einzelnen Nutzungsszenarien schneiden Mercedes, EWE Go und Aldi Süd besonders gut ab. Der Test bewertet neben den Netzen selbst auch die Konditionen, die Kunden an den Ladesäulen zahlen.
Für den Vergleich legten die Testteams rund 6.700 Kilometer zurück und begutachteten Schnellladestationen in drei Ländern. Die Unterschiede zwischen den Anbietern bleiben dabei nach Angaben der Tester deutlich. Ein flächendeckendes Netz und ein günstiger Preis fallen also nicht automatisch zusammen.
Drei Nutzergruppen mit unterschiedlichen Anforderungen
Für den Test wurden Ladetarife für drei typische Nutzergruppen untersucht: Laternenparker, Durchschnittsfahrer und Vielfahrer. Zusätzlich betrachteten die Tester das spontane Laden ohne Vertrag an AC- und HPC-Ladesäulen. Grundlage der Berechnungen waren die Preise und Konditionen zum 18. September 2026.
Diese Aufteilung macht die Ergebnisse für Verbraucher greifbar, weil sich je nach Ladeverhalten ganz unterschiedliche Jahressummen ergeben. Wer nur gelegentlich öffentlich lädt, kommt zu anderen Kosten als jemand, der täglich auf das öffentliche Netz angewiesen ist. Ein und derselbe Anbieter kann in der einen Gruppe günstig und in der anderen teuer sein.
Laternenparker sparen bis zu 809 Euro im Jahr
Bei den Laternenparkern liegt Mercedes mit dem Tarif MB.Charge Public L vorn. In der Modellrechnung entstehen jährliche Ladekosten von 1.043 Euro. Beim teuersten Angebot von Vattenfall sind es 1.852 Euro. Zwischen günstigstem und teuerstem Tarif liegen damit 809 Euro pro Jahr, die sich allein über die Wahl des Tarifs einsparen lassen.
Die Summe macht deutlich, wie stark die Tarifentscheidung die laufenden Kosten eines E-Autos beeinflusst. Wer sein Fahrzeug überwiegend an öffentlichen Säulen lädt, gibt über ein Jahr betrachtet einen erheblichen Betrag aus. Ein Wechsel des Tarifs kann hier wirtschaftlich stärker wirken als viele andere Stellschrauben rund um das Fahrzeug.
EWE Go gewinnt bei Durchschnittsfahrern, Mercedes bei Vielfahrern
Für Durchschnittsfahrer ist EWE Go die günstigste Wahl. Hier liegen die berechneten jährlichen Kosten bei 372 Euro. Bei den Vielfahrern setzt sich erneut Mercedes durch. Mit dem Tarif MB.Charge Public M fallen 1.790 Euro pro Jahr an, während der ADAC-Tarif eCharge auf 2.425 Euro kommt.
Im Vergleich der Gruppen zeigt sich, dass Vielfahrer mit dem falschen Tarif besonders viel verlieren können. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot in dieser Kategorie liegt eine Differenz von mehreren Hundert Euro jährlich. Für Durchschnittsfahrer fällt der Unterschied in absoluten Zahlen kleiner aus, weil sie insgesamt weniger öffentlich laden.
Spontanes Laden ohne Vertrag
Auch beim spontanen Laden gibt es deutliche Preisunterschiede. Beim AC-Laden teilen sich Aldi Süd, Kaufland und Lidl den Testsieg. Beim HPC-Laden liegt Aldi Süd vorn. Diese Ergebnisse sind für alle relevant, die ohne eigenen Vertrag an öffentlichen Säulen laden.
Wer nur selten auf das öffentliche Netz zugreift, muss also nicht zwangsläufig einen Vertrag abschließen, um günstig zu laden. Die Preise unterscheiden sich allerdings je nach Ladeart und Anbieter erheblich. Ein Vergleich lohnt sich daher auch dann, wenn das öffentliche Laden nur eine Ausnahme im Alltag bleibt.
Kein allgemein bester Tarif
Den allgemein besten Ladetarif gibt es nicht. Entscheidend sind vor allem das individuelle Ladeverhalten, der Anteil des öffentlichen Ladens sowie die Preise für AC- und HPC-Ladevorgänge. Wer regelmäßig öffentlich lädt, kann mit einem passenden Tarif mehrere Hundert Euro im Jahr sparen. Eine Empfehlung, die für alle Fahrer gleichermaßen passt, lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten.
Für Verbraucher bedeutet das, den eigenen Alltag genauer zu betrachten, bevor sie sich für einen Anbieter entscheiden. Relevant ist, wie oft das Auto an einer öffentlichen Säule hängt und welcher Anteil davon auf schnelles Laden entfällt. Erst dieser Mix entscheidet darüber, welcher Tarif am Ende günstiger ausfällt.
Veröffentlichung des Ladenetzte…
Der vollständige Ladenetztest erscheint in der Ausgabe 11/2026 von connect mit Erscheinungstermin 5. Oktober 2026 und auf connect.de. Für den Test legten die Teams rund 6.700 Kilometer zurück und prüften Schnellladestationen von 17 Anbietern.
Bildquellen im Artikel
- E-Ladetarife im connect-Test: Bildquelle: umlaut/Fotograf: Five Monkeys Tech GmbH