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Börsenprofi streicht alle S&P-500-Aktien von seiner Watchlist: Die Gründe und was Anleger daraus lernen können

Der S&P 500 gilt für viele Anleger als das Maß aller Dinge. Die größten US-Unternehmen haben in den vergangenen Jahren starke Kursgewinne erzielt und sind für viele Investoren zum festen Bestandteil des Depots geworden. Doch genau nach solchen Börsenphasen stellt sich eine entscheidende Frage: Sind die Aktien noch attraktiv bewertet, oder zahlen Anleger inzwischen zu viel für weiteres Wachstum? Der Börsenprofi Mario Lüddemann, Geschäftsführer der Lüddemann Investments GmbH, hat nun alle S&P-500-Aktien von seiner Watchlist gestrichen. In einem aktuellen Beitrag erklärt er, warum er diesen Schritt für notwendig hält und welche Kriterien für Anleger wichtiger sind als die bloße Zugehörigkeit zu einem bekannten Index. Seine Kernbotschaft: Die wichtigste Frage ist nicht, ob eine Aktie im S&P 500 ist, sondern ob man für den aktuellen Preis überhaupt noch eine attraktive Rendite bekommt. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe dieser Entscheidung, erläutert die Risiken überhöhter Bewertungen und zeigt auf, wie Anleger ihre eigene Watchlist sinnvoll gestalten können, um langfristig erfolgreich zu investieren.

Gute Unternehmen sind nicht automatisch gute Investments

Viele Anleger setzen Qualität mit einer guten Kaufgelegenheit gleich. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um zwei unterschiedliche Dinge. Ein Unternehmen kann Marktführer sein, hohe Gewinne erzielen und über ein starkes Geschäftsmodell verfügen. Ob sich ein Einstieg lohnt, hängt dennoch entscheidend davon ab, welchen Preis Anleger dafür bezahlen. An der Börse wird schließlich nicht die Vergangenheit gehandelt, sondern die Zukunft. Wer heute eine Aktie kauft, bezahlt für die erwarteten Gewinne der kommenden Jahre. Sind diese Erwartungen bereits vollständig im Kurs eingepreist, bleibt oft nur noch wenig Spielraum für zusätzliche Renditen. Selbst hervorragende Unternehmen können deshalb zu einem schlechten Investment werden, wenn ihre Bewertung zu hoch ausfällt. Ein klassisches Beispiel ist die Dotcom-Blase, als viele Technologieunternehmen mit exorbitanten Kurs-Gewinn-Verhältnissen gehandelt wurden und später massiv einbrachen. Auch heute zeigen sich ähnliche Muster bei einigen großen Tech- und KI-Werten, deren Bewertungen auf einem sehr hohen Niveau liegen.

Warum starke Kursgewinne Anleger in die Irre führen können

Ein häufiger Fehler besteht darin, die Entwicklung der vergangenen Jahre einfach in die Zukunft fortzuschreiben. Gerade Unternehmen, deren Aktien über längere Zeit besonders stark gestiegen sind, genießen großes Vertrauen. Viele Investoren gehen davon aus, dass sich dieser Trend nahezu automatisch fortsetzt. Dabei steigt mit jeder weiteren Kursrallye häufig auch die Bewertung. Das bedeutet, dass Anleger immer höhere Preise für dieselben zukünftigen Gewinne zahlen. Besonders bei großen Technologie- und KI-Unternehmen besteht die Gefahr, dass nicht mehr die tatsächliche Ertragskraft bewertet wird, sondern bereits eine nahezu perfekte Zukunft. Bleiben die Unternehmen hinter diesen hohen Erwartungen zurück, können selbst gute Geschäftszahlen zu Kursverlusten führen. Ein aktuelles Beispiel ist der KI-Chip-Hersteller Nvidia, dessen Aktie in den letzten Jahren explodiert ist. Analysten warnen jedoch, dass das Unternehmen bereits einen Großteil seines zukünftigen Wachstums eingepreist hat. Wenn die tatsächlichen Ergebnisse nur leicht unter den Erwartungen liegen, könnte die Aktie stark korrigieren. Anleger sollten sich daher nicht von vergangenen Kursgewinnen blenden lassen, sondern die Bewertung kritisch hinterfragen.

Der S&P 500 ersetzt keine Unternehmensanalyse

Die Zugehörigkeit zum S&P 500 wird häufig als Qualitätsmerkmal verstanden. Tatsächlich vereint der Index viele der erfolgreichsten Unternehmen der USA. Dennoch sagt allein die Aufnahme in den Index nichts darüber aus, ob eine Aktie zum aktuellen Kurs attraktiv bewertet ist. Wer eine Kaufentscheidung ausschließlich auf den Bekanntheitsgrad oder die Indexzugehörigkeit stützt, übersieht wichtige Kennzahlen. Entscheidend sind vielmehr die Entwicklung der Gewinne, die Bewertung, die Verschuldung, die Margen sowie die Frage, welche Rendite unter den aktuellen Bedingungen realistisch zu erwarten ist. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren ermöglicht eine fundierte Einschätzung. Der S&P 500 ist ein marktkapitalisierungsgewichteter Index, was bedeutet, dass die größten Unternehmen wie Apple, Microsoft und Amazon einen überproportionalen Einfluss haben. Wenn diese wenigen Werte hoch bewertet sind, kann der gesamte Index teuer erscheinen, obwohl viele andere Titel im Index möglicherweise fair oder sogar unterbewertet sind. Anleger sollten daher nicht pauschal auf den Index schauen, sondern jede Aktie individuell analysieren.

Warum eine Watchlist mehr leisten muss

Eine Watchlist sollte nicht einfach bekannte Namen sammeln. Ihr Zweck besteht vielmehr darin, Unternehmen zu beobachten, bei denen Chancen, Risiken und Bewertung zusammenpassen könnten. Deshalb lohnt sich eine einfache Perspektivänderung. Anleger sollten sich nicht zuerst fragen, ob ein Unternehmen gut ist. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob dieses Unternehmen zum heutigen Börsenkurs ein attraktives Investment darstellt. Fällt die erwartete Rendite trotz hoher Qualität zu gering aus, kann es sinnvoll sein, zunächst auf bessere Einstiegsmöglichkeiten zu warten. Wer alle S&P-500-Aktien von seiner Watchlist streicht, trifft damit deshalb nicht zwangsläufig eine Aussage über die zukünftige Entwicklung des Gesamtmarktes. Vielmehr bedeutet es, dass aktuell keine der beobachteten Aktien die persönlichen Anforderungen an das Verhältnis von Rendite und Risiko erfüllt. Eine gute Watchlist sollte daher dynamisch sein und regelmäßig überprüft werden. Sie sollte nicht nur Aktien enthalten, die man kaufen möchte, sondern auch solche, die man beobachtet, um bei Kursrückgängen einzusteigen. Zudem kann es sinnvoll sein, auch Unternehmen außerhalb des S&P 500 zu berücksichtigen, wie kleinere Werte oder internationale Aktien.

Ein Blick über die offensichtlichen Gewinner hinaus

Nach mehreren starken Börsenjahren lohnt es sich häufig, den Fokus zu erweitern. Während ein Teil des Marktes bereits sehr hohe Bewertungen erreicht hat, können andere Bereiche noch attraktiver bewertet sein. Dazu zählen beispielsweise kleinere Unternehmen, defensivere Branchen oder Regionen, die zuletzt weniger stark im Mittelpunkt des Anlegerinteresses standen. Der Russell 2000, der kleinere US-Unternehmen abbildet, hat in den letzten Jahren oft hinter dem S&P 500 zurückgeblieben und könnte daher Potenzial bieten. Auch europäische Aktien oder Schwellenländer könnten interessant sein, da sie oft niedrigere Bewertungen aufweisen. Zudem sollten Investoren berücksichtigen, dass die Entwicklung des S&P 500 derzeit von wenigen besonders großen Unternehmen geprägt wird. Dadurch kann der Eindruck entstehen, der gesamte Markt entwickle sich einheitlich positiv oder auch negativ. Tatsächlich verlaufen die Kursentwicklungen vieler Einzeltitel deutlich unterschiedlich. Eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen und Regionen kann daher das Risiko reduzieren und die Chance auf attraktive Renditen erhöhen.

Rendite entsteht auch beim Einstieg

Langfristig entscheidet nicht allein die Qualität eines Unternehmens über den Anlageerfolg. Ebenso wichtig ist der Preis, zu dem Anleger einsteigen. Eine starke Marke, hohe Gewinne und eine führende Marktposition schaffen zwar gute Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg. Dennoch kann eine zu hohe Bewertung die spätere Rendite erheblich begrenzen. Deshalb ist es oft weniger problematisch, eine bekannte Aktie zu verpassen, als sie zu einem überhöhten Kurs zu kaufen. Wer Geduld mitbringt und neben der Unternehmensqualität auch konsequent auf die Bewertung achtet, schafft eine solidere Grundlage für langfristig erfolgreiche Anlageentscheidungen. Ein einfaches Beispiel: Wenn ein Unternehmen ein KGV von 30 hat und ein Gewinnwachstum von 10 Prozent pro Jahr erzielt, ist die Rendite möglicherweise geringer als bei einem Unternehmen mit einem KGV von 15 und einem Wachstum von 8 Prozent. Anleger sollten daher nicht nur auf das Wachstum achten, sondern auch auf das Verhältnis von Preis zu Gewinn (KGV) und andere Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Buchwert-Verhältnis oder die Dividendenrendite. Zudem ist es wichtig, die eigene Risikotoleranz und den Anlagehorizont zu berücksichtigen. Wer langfristig investiert, kann kurzfristige Schwankungen besser verkraften und von günstigen Einstiegsmöglichkeiten profitieren.

Mario Lüddemann, der diese Entscheidung getroffen hat, ist Geschäftsführer der Lüddemann Investments GmbH und hat 30 Jahre Berufserfahrung als Trader. Er wurde 2020 und 2021 als „Trader des Jahres“ ausgezeichnet. Sein Ansatz zeigt, dass selbst erfahrene Profis nicht blind auf bekannte Indizes vertrauen, sondern konsequent auf Bewertung und Rendite achten. Anleger können von dieser Strategie lernen, indem sie ihre eigene Watchlist kritisch überprüfen und sich nicht von der Masse leiten lassen. Weitere Informationen zu seinen Weiterbildungen finden Sie auf seiner Website.

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