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E-Mobilität im Aufwind: Was die TÜV Mobility Studie 2026 für die Zukunft des Autos bedeutet

Die Zeichen stehen auf Wandel: Laut der aktuellen TÜV Mobility Studie 2026, die auf einer repräsentativen Forsa-Umfrage unter 2.504 Personen ab 18 Jahren basiert, würde sich mittlerweile die Hälfte der Bundesbürger beim Autokauf für ein reines Elektro- oder Hybridfahrzeug entscheiden. Nur noch gut jeder Dritte bevorzugt einen klassischen Verbrenner. Diese Zahlen markieren einen deutlichen Stimmungsumschwung in der Bevölkerung und untermauern den Trend, der sich auch in den Neuzulassungsstatistiken des Kraftfahrt-Bundesamtes widerspiegelt: Im ersten Halbjahr 2026 waren bereits 26 Prozent der neu zugelassenen Pkw reine Elektroautos, weitere 40 Prozent entfielen auf Hybridmodelle. Der TÜV-Verband sieht darin einen Beleg dafür, dass die Elektromobilität kurz vor dem Durchbruch zum Massenphänomen steht – auch wenn weiterhin erhebliche Hürden wie hohe Anschaffungskosten, Reichweitenängste und eine lückenhafte Ladeinfrastruktur existieren. Die Studie beleuchtet darüber hinaus die Verkehrsinfrastruktur, die Mobilitätsgewohnheiten der Deutschen und die dringenden Forderungen nach einem Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Sie zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die sich mehrheitlich eine nachhaltigere und sicherere Mobilität wünscht, aber gleichzeitig pragmatische Lösungen für den Alltag erwartet.

Vom Nischenprodukt zum Massenmarkt: Die Elektroauto-Präferenz wächst

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen eine bemerkenswerte Verschiebung in den Kaufabsichten der Deutschen. Würde man heute ein Auto kaufen, entschieden sich 25 Prozent für ein reines Elektroauto, weitere 25 Prozent für einen Hybrid und 4 Prozent für ein Fahrzeug mit Wasserstoffantrieb. Nur noch 35 Prozent würden einen Benzin- oder Diesel-Pkw bevorzugen, während 11 Prozent unentschlossen sind oder ganz auf ein eigenes Auto verzichten würden. Besonders bemerkenswert ist, dass selbst unter denjenigen, die eigentlich einen Verbrenner oder Hybrid bevorzugen, fast ein Viertel (23 Prozent) den Kauf eines reinen Elektroautos in Betracht ziehen würde. Diese Zahlen deuten auf eine wachsende Offenheit gegenüber alternativen Antrieben hin, die durch ein breiteres Angebot an bezahlbaren E-Autos, neue staatliche Förderungen und nicht zuletzt die anhaltend hohen Spritpreise begünstigt wird. Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, sieht darin einen klaren Trend: „Die Elektromobilität steht vor dem Durchbruch. Elektrofahrzeuge sind auf dem Weg zum Mainstream.“ Auch der Markt für elektrische Gebrauchtwagen zieht spürbar an, was darauf hindeutet, dass die Elektromobilität zunehmend in der Breite der Bevölkerung ankommt.

Ladefrust und Reichweitenangst: Die größten Hürden für E-Auto-Käufer

Trotz der positiven Grundstimmung bleiben die Vorbehalte gegenüber batterieelektrischen Fahrzeugen bestehen. An erster Stelle der Kritikpunkte stehen die hohen Anschaffungskosten, die 57 Prozent der Befragten nennen. Dicht dahinter folgen die Sorge um eine zu geringe Reichweite (52 Prozent) und die unzureichende Anzahl an Ladestationen (50 Prozent). In Großstädten beklagen sogar 58 Prozent der Bewohner einen Mangel an Lademöglichkeiten. Doch nicht nur die Anzahl der Säulen ist ein Problem, sondern auch die Alltagstauglichkeit des Ladens: 61 Prozent der E-Auto-Besitzer berichten von deutlich geringeren Reichweiten im Winter, 49 Prozent kritisieren intransparente Preise an öffentlichen Ladesäulen und 48 Prozent die Vielfalt und Komplexität der Bezahlsysteme. Diese „Ladefrust“-Erfahrungen sind ein ernstzunehmendes Hindernis für die weitere Verbreitung der Elektromobilität. Der TÜV-Verband appelliert daher an die Politik, den Ausbau der Ladeinfrastruktur entschlossen voranzutreiben und für einheitliche, transparente und einfache Bezahlmöglichkeiten zu sorgen. „Nach dem politischen Hin und Her der vergangenen Jahre darf das Vertrauen der E-Auto-Käufer nicht wieder enttäuscht werden“, warnt Bühler. „Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur muss mit der Marktdynamik bei E-Autos Schritt halten, vor allem in Ballungsräumen.“

Auto bleibt dominant, aber das Stadt-Land-Gefälle ist enorm

Die Studie zeigt auch, dass das Auto trotz aller Diskussionen um Verkehrswende das mit Abstand wichtigste Verkehrsmittel der Deutschen bleibt. 83 Prozent der Befragten nutzen mindestens einmal pro Woche einen Pkw. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land: In Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern liegt die regelmäßige Autonutzung bei 96 Prozent, in Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern immerhin noch bei 66 Prozent. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) spielt vor allem in Großstädten eine Rolle: In Metropolen nutzen 47 Prozent regelmäßig Busse und Bahnen, in Kleinstädten unter 100.000 Einwohnern sind es nur 8 bis 12 Prozent. Dieses Stadt-Land-Gefälle verdeutlicht den enormen Nachholbedarf bei der Verkehrsinfrastruktur in ländlichen Regionen. „Wer außerhalb einer Großstadt lebt, braucht ein verlässliches öffentliches Verkehrsangebot als echte Alternative zum Auto“, fordert Bühler. Entsprechend groß ist der Wunsch nach Verbesserungen: 76 Prozent der Bundesbürger fordern eine stärkere Förderung des ÖPNV, 72 Prozent wünschen sich mehr Engagement für den Regional- und Fernbahnverkehr. Andere Maßnahmen wie die Förderung des Fußverkehrs (54 Prozent), des Radverkehrs (51 Prozent) oder der Elektromobilität (51 Prozent) folgen erst mit deutlichem Abstand.

Infrastruktur in der Kritik: Straßen, Radwege und Barrierefreiheit

Die Bewertung der Verkehrsinfrastruktur fällt in der Studie überwiegend negativ aus. Zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) halten den Zustand von Straßen, Rad- und Gehwegen in ihrem Wohnort für eher schlecht oder sehr schlecht. Jeder Zweite bemängelt die Verfügbarkeit von Radwegen, fast ebenso viele (49 Prozent) die von Pkw-Parkplätzen. Auch die Barrierefreiheit im Verkehrsraum wird von 48 Prozent als unzureichend empfunden. Besonders kritisch sehen die Befragten, dass die Belange schutzbedürftiger Personengruppen bei der Planung der Verkehrsinfrastruktur zu wenig berücksichtigt werden: 74 Prozent sind der Meinung, dass Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu wenig Beachtung finden, 67 Prozent sagen dies auch über ältere Menschen und Schulkinder. Der TÜV-Verband fordert daher, die Bedürfnisse der schwächeren Verkehrsteilnehmer zum verbindlichen Maßstab zu machen. „Sichere Schulwege, barrierefreie Straßenquerungen, gute Sichtbeziehungen und ausreichend lange Grünphasen sind Voraussetzungen für selbstständige Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe“, betont Bühler. Konkret wünschen sich 90 Prozent der Befragten eine bessere Instandhaltung der Gehwege im Winter, 84 Prozent den Ausbau barrierefreier Infrastruktur und 79 Prozent mehr sichere Überwege. Auch beim Radverkehr hat die Sicherheit Priorität: 86 Prozent halten die Instandhaltung der Radwege im Winter für wichtig, 81 Prozent den Ausbau von Radwegen, die vom Autoverkehr getrennt sind.

Vision Zero als Leitprinzip: Mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer

Angesichts dieser Ergebnisse plädiert der TÜV-Verband dafür, die Verkehrspolitik stärker an den Bedürfnissen der besonders schutzbedürftigen Verkehrsteilnehmer auszurichten. Die Vision Zero – das Ziel von null Verkehrstoten – sollte vom Schlagwort zum verbindlichen Leitprinzip werden und im Straßenverkehrsgesetz verankert werden. In der Praxis bedeutet dies einen stärkeren Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur, die auch von E-Bikes, E-Scootern und Lastenrädern genutzt werden kann, sowie einen möglichst barrierefreien und sicheren Fußverkehr. Darüber hinaus müsse der öffentliche Personenverkehr ganz oben auf die politische Agenda. „Eine große Mehrheit wünscht sich eine stärkere Förderung des ÖPNV und einen zuverlässigen Regional- und Fernbahnverkehr. Das muss die Politik stärker priorisieren und die vorhandenen investiven Mittel dafür einsetzen“, so Bühler. Bei der Förderung der Elektromobilität dürfe die Politik nicht nachlassen. Der Ausbau des Ladenetzes müsse weitergehen, öffentliches Laden einfacher, transparenter und verlässlicher werden. Gleichzeitig sollten die Rahmenbedingungen auf dem Gebrauchtmarkt verbessert werden, da für viele Bürger ein Neuwagen zu teuer ist. Ein standardisierter Batteriecheck würde Verbrauchern Sicherheit geben – Informationen zum Batteriezustand seien im Gebrauchtwagenmarkt mindestens so wichtig wie Angaben zu Alter, Laufleistung und HU-Plakette. Auch die Digitalisierung der Fahrzeugtechnik müsse regulativ begleitet werden: 83 Prozent der Befragten halten eine unabhängige Überprüfung der Funktionsfähigkeit digitaler Fahrzeugsysteme für wichtig. Assistenzsysteme sollten im Rahmen der Hauptuntersuchung auf Funktion und Wirkung getestet werden können, und auch die Integrität sicherheits- und emissionsrelevanter Software müsse überprüfbar sein, um Manipulationen zu erkennen.

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