Grüner Strom für die digitale Souveränität: Solarpark Halenbeck II geht ans Netz

Grüner Strom für die digitale Souveränität: Solarpark Halenbeck II geht ans Netz

Der Solarpark Halenbeck-Rohlsdorf II im Norden Brandenburgs ist offiziell ans Netz gegangen. Die Anlage, eine der größten ihrer Art in der Region, soll künftig bis zu 120.000 Megawattstunden Strom pro Jahr erzeugen – genug, um rechnerisch rund 48.000 Haushalte zu versorgen und etwa 50.000 Tonnen CO2 einzusparen. Doch der Blick auf die reinen Zahlen greift zu kurz: Der Solarpark ist ein Beispiel dafür, wie erneuerbare Energien gezielt für kritische und digitale Infrastrukturen nutzbar gemacht werden. Statt auf das öffentliche Netz allein angewiesen zu sein, sichern sich mehrere Unternehmen über langfristige Stromlieferverträge einen Teil der Erzeugungskapazität. Damit verbindet das Projekt Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Wie die DAL in einer Pressemitteilung erklärt, stehen hinter dem Vorhaben finanzielle Strukturen, die auf langfristige Planbarkeit setzen – ein Modell, das für weitere Unternehmen richtungsweisend sein könnte.

Ein Solarpark mit beeindruckender Dimension

Mit einer installierten Leistung von 114 Megawatt Peak zählt der Solarpark zu den größten Photovoltaikprojekten in Brandenburg. Die Anlage steht auf Freiflächen nahe der Gemeinde Halenbeck-Rohlsdorf und speist den erzeugten Strom direkt in das öffentliche Verteilnetz ein. Die Größe des Projekts lässt sich anhand der erwarteten Jahresproduktion ermessen: Bis zu 120.000 Megawattstunden Strom sollen jährlich in das Netz fließen. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher deutscher Haushalt verbraucht pro Jahr etwa 2.500 Kilowattstunden – der Solarpark deckt also rechnerisch den Bedarf von rund 48.000 Haushalten. Gleichzeitig vermeidet die Anlage nach Angaben der Betreiber jährlich etwa 50.000 Tonnen CO2. Damit leistet sie einen messbaren Beitrag zur Energiewende in Ostdeutschland.

Stromabnahme auf lange Sicht: PPAs sichern Planungssicherheit

Die Vermarktung des erzeugten Stroms erfolgt über sogenannte Power Purchase Agreements, kurz PPA. Solche langfristigen Lieferverträge zwischen Erzeuger und Abnehmer werden zunehmend zur wichtigsten Finanzierungsgrundlage für große Solar- und Windprojekte. Sie geben beiden Seiten Planungssicherheit: Der Erzeuger kalkuliert seine Einnahmen über Jahre, der Abnehmer sichert sich stabile Strompreise und kann seine Nachhaltigkeitsziele vorweisen. Im Fall von Halenbeck-Rohlsdorf II wurden gleich drei Abnehmer gefunden. Die Shell Energy Europe übernimmt über einen Zeitraum von zehn Jahren rund 75 Prozent der erzeugten Energie. Ein Teil davon fließt in die Wasserstoffproduktion des REFHYNE-2-Elektrolyseurs, den Shell in Deutschland betreibt. Erneuerbarer Strom wird dort genutzt, um Wasser in Wasserstoff zu spalten – ein wichtiger Baustein für die Dekarbonisierung der Industrie. Die weiteren Abnehmer sind die Finanz Informatik und ihre Tochtergesellschaft Finanz Informatik Technologie Service. Sie sind als Digitalisierungspartner der Sparkassen-Finanzgruppe für das IT-System eines der größten Finanzverbünde Europas verantwortlich.

Für die Abnehmer sind PPAs aus mehreren Gründen attraktiv. Sie ermöglichen nicht nur den Bezug von Herkunftsnachweisen für Ökostrom, sondern auch eine langfristige Absicherung gegen Strompreisschwankungen. Gerade in Zeiten volatiler Energiepreise und wachsender Anforderungen an Nachhaltigkeitsberichte wird die Kalkulierbarkeit der Energiekosten zum strategischen Vorteil. Zudem können sich Unternehmen über den direkten Bezug von erneuerbarem Strom von internationalen Energieimporten und den damit verbundenen geopolitischen Risiken entkoppeln.

Digitale Infrastruktur braucht robuste Energieversorgung

Die Entscheidung der beiden IT-Unternehmen, Strom aus einem Solarpark in Brandenburg zu beziehen, ist kein Zufall. Rechenzentren und IT-Infrastrukturen gehören zu den größten Stromverbrauchern der modernen Wirtschaft. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an ihre Nachhaltigkeit und ihre Ausfallsicherheit. Martin Waldmann, Geschäftsführer der Finanz Informatik, bringt die Motivation auf den Punkt: Sonnenenergie müsse nicht importiert, transportiert oder auf internationalen Märkten beschafft werden – sie sei langfristig planbar und bleibe weitgehend unbeeinflusst von geopolitischen Liefer- und Preisrisiken. Damit werde Photovoltaik zu einem Schlüsselbaustein moderner Energiesouveränität. Auch Dr. Peer Günzel, Geschäftsführer der DAL, betont den Zusammenhang zwischen digitaler Leistungsfähigkeit und einer robusten energetischen Grundlage. Wer auf Solarstrom setze, reduziere strukturelle Abhängigkeiten und stärke die eigene Versorgungssicherheit. Der Solarpark sei damit ein Beispiel dafür, wie die Energiewende ganz praktisch zur Resilienz kritischer und wirtschaftlich wichtiger Infrastrukturen beitragen kann.

Ohne staatliche Förderung: Das Finanzierungsmodell überzeugt

Bemerkenswert ist die Finanzierungsstruktur des Projekts: Der Solarpark kommt vollständig ohne Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz aus. Es gibt weder garantierte Einspeisevergütungen noch sonstige staatliche Zuschüsse. Stattdessen refinanziert sich die Investition über die Direktvermarktung des erzeugten Stroms – ein klares Zeichen dafür, dass große Photovoltaikprojekte in Deutschland inzwischen marktwirtschaftlich profitabel arbeiten können. Die Projektgesellschaft ist vor Ort angesiedelt, wodurch die Gemeinde von hohen Gewerbesteuereinnahmen und einer zusätzlichen Gemeindeabgabe profitiert. Zudem werden langfristige Arbeitsplätze geschaffen. Das Modell könnte als Blaupause für weitere Projekte dienen, denn es zeigt, wie Energiewende auch ohne Subventionen funktionieren kann.

Von der Projektentwicklung bis zur Finanzierung: Die DAL als Partner

Hinter dem Projekt steht die DAL Deutsche Anlagen-Leasing mit Sitz in Mainz. Als Kompetenzzentrum der Sparkassen ist das Unternehmen auf die Realisierung großer, assetbasierter Investitionsvorhaben spezialisiert. Im Fall von Halenbeck-Rohlsdorf II ist die DAL mit 50 Prozent an der Betreibergesellschaft Solarkraftwerk Halenbeck-Rohlsdorf II GmbH beteiligt. Die Errichtung der Anlage übernahm die pvx energy GmbH. Darüber hinaus hat die DAL die Fremdfinanzierung strukturiert. Als Finanzierungspartner fungieren die Sparkasse Oberhessen, die Ostsächsische Sparkasse Dresden, die Sparkasse Marburg-Biedenkopf sowie die DAL/Deutsche Leasing Finance GmbH als Konsortialführer. Für die DAL ist das Projekt Teil ihres Engagements für die Energiewende und die Transformation der Wirtschaft. Das Unternehmen begleitet jährlich Finanzierungen mit einem Volumen von mehr als 3,3 Milliarden Euro.

Ein wesentlicher Aspekt bei derartigen Vorhaben ist die Projektfinanzierung. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass die Rückzahlung des Kredits ausschließlich aus den künftigen Cashflows des Projekts erfolgt. Das ist immer dann relevant, wenn eine Projektgesellschaft die Investition tätigt und die Bonität des Mutterunternehmens nicht in Anspruch genommen werden kann. Die Kombination aus langfristigen PPAs und einer cashflow-orientierten Finanzierung hat sich in der Praxis bewährt und könnte weiteren Projekten den Weg ebnen. Für Unternehmen mit hohem Energiebedarf ergibt sich daraus die Möglichkeit, sich über eigene oder über Kooperationsprojekte mit erneuerbaren Energien einzudecken – ein Modell, das sowohl ökonomisch als auch ökologisch überzeugt.

Bildquellen im Artikel