Warum IT-Projekte nicht an der Technik scheitern – sondern an der Kommunikation
München (ots) – Neue Software wird eingeführt, Projekte laufen nach Plan und dennoch bleibt der erhoffte Nutzen aus. Viele Unternehmen investieren Millionen in die Digitalisierung, doch an den entscheidenden Schnittstellen zwischen Fachbereichen, IT, Dienstleistern und Management entstehen Missverständnisse, Verzögerungen und Reibungsverluste. Das eigentliche Problem ist oft nicht die Technologie, sondern die Art, wie Menschen miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten.
Dadurch scheitern die meisten IT-Projekte nicht an mangelnder Kompetenz oder fehlender Technologie, sondern daran, dass Informationen an jeder Übergabe ein Stück verloren gehen. Wer diese Kommunikationslücken schließt, macht aus der IT einen echten Wertschöpfungspartner. Nachfolgend lesen Sie, warum so viele Digitalisierungsprojekte hinter ihren Erwartungen zurückbleiben, welche typischen Kommunikationsfehler Unternehmen immer wieder machen und wie Führungskräfte die Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereichen nachhaltig verbessern können.
Wenn alle das Richtige tun und trotzdem das Falsche entsteht
Viele Digitalisierungsprojekte beginnen mit einer klar formulierten Anforderung. Doch schon an dieser Stelle entstehen häufig Missverständnisse. Fachbereiche beschreiben oft bereits die gewünschte Lösung, obwohl eigentlich das zugrunde liegende Problem entscheidend wäre. Die eigentliche Absicht bleibt dadurch unausgesprochen und geht auf dem weiteren Weg durch das Projekt verloren.
Die eigentliche Absicht bleibt dadurch unausgesprochen und geht auf dem weiteren Weg durch das Projekt verloren. Mit jeder Übergabe verändert sich die Information ein Stück. Aus einer fachlichen Anforderung wird eine technische Spezifikation, daraus entstehen Arbeitspakete und schließlich einzelne Tickets für die Umsetzung. Jeder Schritt ist für sich nachvollziehbar und fachlich korrekt. Gleichzeitig verschwindet jedoch immer mehr Kontext. Am Ende wird häufig genau das entwickelt, was dokumentiert wurde – aber nicht unbedingt das, was ursprünglich gebraucht wurde.
Warum Probleme oft erst spät sichtbar werden
Ein weiteres Problem entsteht während der Umsetzung. Entwickelnde oder externe Dienstleister stoßen regelmäßig auf Punkte, die sich unterschiedlich interpretieren lassen. Theoretisch könnten sie nachfragen. In der Praxis ist dieser Weg jedoch häufig lang, weil mehrere Ansprechpartner eingebunden sind oder Entscheidungen erst abgestimmt werden müssen. Stattdessen werden Annahmen getroffen, die plausibel erscheinen, aber nicht zwingend richtig sind. Aus einer zunächst kleinen Unklarheit entstehen so oft Fehler, die sich durch den weiteren Projektverlauf ziehen und erst spät auffallen.
Kommunikation als Führungsaufgabe
Führungskräfte können diese Risiken deutlich reduzieren, ohne neue Prozesse oder umfangreiche Regelwerke einzuführen. Entscheidend ist zunächst, die Zahl der Übergaben zwischen Fachbereich und Umsetzung möglichst gering zu halten. Ebenso wichtig ist, dass jede Anforderung ihren fachlichen Zweck bis zur technischen Umsetzung behält und nicht nur beschreibt, was entwickelt werden soll, sondern auch warum. Darüber hinaus lohnt es sich, die Zeit bis zur Beantwortung fachlicher Rückfragen zu beobachten. Je schneller Unsicherheiten geklärt werden können, desto seltener müssen Mitarbeitende auf Vermutungen zurückgreifen.
Über René Schröder
René Schröder ist Gründer und Geschäftsführer der RegSus Consulting GmbH in München. Seit über 20 Jahren begleitet er IT-Transformationen im DACH-Mittelstand sowie in regulierten Branchen wie Energie, Pharma und Finanzdienstleistungen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereich. Er ist Autor mehrerer Bücher zu IT und Business, zuletzt „E-Mails über den Zaun werfen ist keine Kommunikation“ und „Wir irren uns gern gemeinsam“. Mehr Informationen unter: https://regsus.de/
Bildquellen im Artikel
- Menschen sitzen auf einem Stuhl vor Computern: Bildquelle: Cherrydeck (Plattform Unsplash)